Der Nobelpreis gilt seit über 100 Jahren als renommierteste und wichtigste aller Auszeichnungen in Wissenschaft und Gesellschaft.
Er wird seit 1901 alljährlich an die Persönlichkeiten verliehen, die sich im vergangenen Jahr durch besondere Verdienste in folgenden Bereichen ausgezeichnet haben: Chemie, Physik, Literatur, Medizin und Frieden. Seit 1986 wird zudem noch der Wirtschafts-Nobelpreis vergeben. Von 1915 bis 1918, in den Jahren 1921 und 1925 sowie von 1940 bis 1942 fanden keine Verleihungen statt.
Auf die Idee, eine Stiftung zu gründen, deren Zinsertrag "als Preise denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben." (Alfred Nobel) kam der Ingenieur und Wissenschaftler, nachdem er die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner kennen gelernt hatte. Ihr Engagement als Friedenskämpferin inspirierte Nobel und brachte ihn dazu, einen Friedenspreis zu stiften. Doch das schien ihm nicht genug. In seinem Testament legte er fest, dass mit den Zinserträgen aus seinem Vermögen alljährlich die fünf oben genannten Preise finanziert werden sollten. Die von Nobel gewählten Kategorien entsprachen seinen Haupt-Interessengebieten.
Am 10. Dezember 1896 starb Alfred Nobel an einer Gehirnblutung im italienischen San Remo, und am 29.6.1900 wurde in Stockholm von der schwedischen Regierung der Vorschlag für die Gründungsstatuten der Nobel-Stiftung genehmigt. Im November dann übernahm die Stiftungsleitung die Verwaltung des Fonds.
Bei der Nobel-Stiftung handelt es sich im Grunde um eine Investmentgesellschaft, die sich in ihrer Anlagepolitik auf Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Immobilien konzentriert. Die Preise und die Organisationskosten der Stiftung werden mit dem Nettoertrag des Grundkapitals finanziert. Das Grundkapital wird jährlich mit einem Zehntel des Ertrages aufgestockt.
Der Nobelpreisverleihung voraus geht der Nominierungsprozess. Entgegen der
weit verbreiteten Meinung, jeder könne eine Nominierung einreichen ist dies
nur einem bestimmten Kreis von Menschen vorbehalten.
Unter anderem
können frühere Nobelpreisträger Nominierungen aussprechen. Für die
Nominierung in den Bereichen Physik, Chemie, Physiologie, Medizin und
Wirtschaftswissenschaften sind Mitglieder der Akademie der Wissenschaften
und der Nobelkomitees zuständig, ebenso wie Professoren der besagten
Fachrichtungen an bestimmten skandinavischen Universitäten und einzelne
Lehrkräfte an weiteren Universitäten.
Die Nominierungen für den
Literaturnobelpreis können von Mitgliedern der Schwedischen Akademie und
ähnlichen Einrichtungen ausgesprochen werden. Außerdem von Literatur- und
Linguistikprofessoren und den Präsidenten repräsentativer
Schriftstellervereinigungen.
Für den Friedensnobelpreis kann jedes
Mitglied einer Regierung oder eines internationalen Gerichts Vorschläge
einreichen. Auch Professoren für Sozialwissenschaften Geschichte,
Philosophie, Recht und Theologie sind dazu berechtigt, ebenso wie die Leiter
von Friedensforschungsinstituten und ähnlichen Organisationen.
Der Nobelpreisverleihung findet jedes Jahr an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, statt; der Friedensnobelpreis wird in Osloverliehen, die übrigen Preise vom schwedischen König in Stockholm. Was die Preisträger angeht, so werden sie auf Basis der eingesandten Nominierungen und der Empfehlungen des Nobelkomitees von verschiedenen Gremien ausgewählt und Anfang Oktober bekannt gegeben. Die Preisträger erhalten eine Urkunde, eine Goldmedaille und einen Geldbetrag. Dieser ist abhängig vom Jahreszinsertrag der Nobelstiftung. Im Jahr 1901 belief er sich auf 150.800 Kronen, steigerte sich jedoch seit 1970 von umgerechnet 288.000 DM auf ca. 1,1 Mio. Euro (ca. 10 Millionen Kronen) im Jahr 2004.
Etwas problematisch ist inzwischen Nobels Verfügung, dass der Preis in einer Kategorie an nicht mehr als drei Personen verliehen werden dürfe. In vielen Bereichen der Wissenschaft gehen heute neue Erkenntnisse jedoch nicht mehr von einzelnen Wissenschaftlern aus, sondern werden oft international in großen Teams erarbeitet.
Seit 1965 führt das Nobelkomitee Symposien durch, die sich mit speziellen Themengebieten beschäftigen, die von zentraler kultureller oder sozialer Bedeutung sind oder im Umbruch befinden. Bislang gab es 144 derartige Veranstaltungen (davon 12 Jubiläumsveranstaltungen). Davon beschäftigten sich 30 mit Themen aus dem Bereich der Physik. Das nächste physikalische Symposium im Juni 2006 wird sich mit dem Thema "Kosmische Chemie und molekulare Astrophysik" befassen.